Tenet – Ein Palindrom in Musik und Text(il) Teil II

Wie im ersten Bericht versprochen, werde ich weiter über meine Umsetzung einer Melodie in ein Gewebe berichten.

Es handelt sich um den Song „Tenet“, der eine so eindrucksvolle Wirkung auf mich ausübte, dass ich den Wunsch verspürte, mich intensiv mit ihm auseinanderzusetzen. Komponiert wurde der Song von der dänisch-deutsch-norwegischen Band „Heilung“. Er wurde im August 2022 auf dem Album „Drif“ veröffentlicht.

Die Melodie des Songs besteht aus drei Teilen, wobei jeder Teil in sich ein Palindrom ist, das heißt sowohl vorwärts als auch rückwärts gelesen beziehungsweise gespielt werden kann. Auch der Eingangstext ist ein Palindrom. Er lässt sich nicht nur von vorn und von hinten lesen, sondern auch von oben und von unten und bildet somit ein Quadrat. Dies veranlasste mich dazu, meine Stoffe in einem gleichmäßig quadratischen Muster zu weben.

Auf Grundlage meiner Erfahrungen mit den ersten Probegeweben, die in ihrem Erscheinungsbild recht unruhig wirken, habe ich überlegt, den Schafteinzug und die Trittfolge so abzuändern, dass das neue Gewebe ein deutlich quadratisches Muster aufweist. Damit musste ich mich von meiner ursprünglichen Absicht, die Melodie unverändert darzustellen, verabschieden. Dennoch bleibt der Song unverkennbar die Inspiration für meine Gewebe.

Wie die folgenden Patronen und deren zugehörigen Gewebe zeigen, habe ich den Einzug und die Trittfolge verlängert, indem ich mehrere Wiederholungen eingefügt habe. Dadurch hat sich das Gewebebild stark verändert, vor allem aber wirkt es nun etwas ruhiger. Zudem ist ein quadratisches Muster klarer erkennbar.


Ganz zufrieden war ich jedoch noch nicht, wirken die Stoffe doch immer noch etwas zu turbulent. Deshalb habe ich, wie die Bilder unten zeigen, den ersten Teil der Melodie unterteilt und nur deren zweite Hälfte betrachtet. Diese verlängerte ich durch nochmaliges Einfügen mehrerer Wiederholungen. Infolgedessen hat sich das Gewebebild erneut verändert. Jedoch treten nun die Quadrate deutlich hervor, was den Stoffen ein symmetrisches und klares Erscheinungsbild verleiht. Dadurch wirken sie ruhig und ausgewogen.

Damit ist jedoch noch keineswegs das Ende der Erforschungen erreicht. Vielleicht veröffentliche ich noch einen dritten Bericht darüber, aber vielleicht fühlt sich auch der eine oder andere Leser animiert, auf seine eigene Forschungsreise zu gehen und neue Stoffe zu entwerfen…