3. Kurs: Lightning

In den ersten beiden Kursen hast du dich intensiv mit Designs beschäftigt, bei denen die Webfäden von der Mitte zu den Kanten bzw. von einer zur anderen Kante gewebt werden. Im 3. Kurs stelle ich dir eine erste Möglichkeit der Abwandlung dieser Technik vor.
Der Aufbau des Designs ist genauso wie bei den Diagonalstreifen aus dem 2. Kurs. Aber im Gegensatz dazu läuft ein Webfaden nicht von einer zur anderen Kante durch, sondern wird mit einem Faden der benachbarten Farbe verschränkt, der wiederum mit einem Faden seiner Nachbarfarbe verschränkt wird usw. In den folgenden Kapiteln werde ich die Vorgehensweise genau erklären.

Material: reine Schafwolle, Lauflänge: 120 m/ 100 g in den Farben dunkelbraun, hellbraun, rosa und blau

Wie oben erwähnt werden die Farben, ähnlich wie beim Diagonalstreifen-Design, nach dem Schema A-B-C-D usw. angeordnet, wobei du auch hier wieder beliebig viele Farben nebeneinander anordnen kannst.
Allerdings muss jetzt jeder Farbstreifen eine gerade Fadenanzahl aufweisen, um ein symmetrisches Muster zu erhalten.

Vorbereitung - Fäden schären

Lies dir hierfür das entsprechende Kapitel im 1. Kurs für das Chevron-Design durch, denn diese Arbeit wiederholt sich für alle Designs.
Schäre für das Band im Lightning-Design, entsprechend dem Schema A-B-C-D, nacheinander 8 F dunkelbraun, 8 F hellbraun, 8 F rosa und 8 F blau in einer Länge, die etwa 30 - 40 % länger sein soll, als dein fertiges Band.
Wie beim Diagonalstreifen-Design schneidest du den Faden ab, wenn du eine Farbe fertig geschärt hast und knotest den Faden der nächsten Farbe an einer der beiden Endschärklammern an. Mache niemals Knoten irgendwo dazwischen, sonst hast du später Knoten mitten im Gewebe.

Weben der ersten Bandhälfte

Auch für dieses Design habe ich mich entschieden von links nach rechts zu weben, weshalb ich es dir für diese Richtung erkläre: Nimm den äußersten linken Faden der Farbe A (hier dunkelbraun) und halte ihn in der linken Hand. Schiebe deinen rechten Zeigefinger in das durch den Fachstab vorgegebene Fach und bilde das neue Fach, indem du, immer im Gegensatz zum vorhergehenden Fach, den folgenden Faden herunter drückst und den nächsten hebst, bis du den 4. Faden der Farbe B, in meinem Fall hellbraun, erreicht hast.

Mit diesem verschränkst du den Webfaden von Farbe A, der an dieser Stelle wieder zum Kettfaden wird. Webe jetzt weiter mit Farbe B bis zum 4. Faden der Farbe C (hier rosa) und verschränke wie eben beschrieben.

Der hellbraune Webfaden wird hier wieder zum Kettfaden und der 4. rosa Faden des Streifens C wird zum Webfaden, den du bis zum 4. Faden der Farbe D (hier blau) webst. Verschränke ein drittes Mal und webe mit blau bis zur rechten Kante. Diesen Faden legst du, wie aus den ersten beiden Designs gewohnt, nach oben und wickelst ihn ein paarmal um den Fachstab herum. Damit hast du die erste Reihe gewebt.

Für die zweite Reihe fängst du wieder links an. Den ersten dunkelbraunen Faden webst du nun bis zum 3. hellbraunen Faden und verschränkst ihn mit diesem. Webe mit dem 3. hellbraunen Faden bis zum 3. rosa Faden, verschränke wieder und webe den 3. rosa Faden bis zum 3. blauen Faden und verschränke auch die beiden. Webe den 3. blauen Faden bis zur rechten Kante, wickele den blauen Faden der ersten Reihe vom Fachstab und lege ihn unter den neuen Webfaden. Diesen wiederum legst du nach oben und wickelst ihn einige Male um den Fachstab herum.

Die verschränkten Fäden liegen immer ziemlich locker im Gewebe. Die solltest du beim Bilden des neuen Faches jedes Mal etwas straff ziehen. Dies und auch das Zusammenschieben der Kettfäden auf dem Trennstab sorgen dafür, dass sich nach und nach ein schönes dicht gewebtes Band herausbildet, bei dem die Kettfäden die Webfäden überdecken.
Hebe bzw. senke die verschränkten Fäden immer dem Rhythmus folgend, d.h. wenn du den Faden davor gehoben hast, musst du diesen senken bzw. umgekehrt.

In der dritten Webreihe webst du nur noch bis zum 2. Faden der jeweils benachbarten Farbe und verschränkst die Fäden miteinander.
In der vierten Reihe ist es dann nur noch ein Faden der benachbarten Farbe, mit dem du den Faden der vorhergehenden Farbe verschränken musst.
Jetzt hast du einen Rapport gewebt, denn jetzt liegen alle Fäden einer Farbe wieder direkt nebeneinander.
Fange nun den nächsten Rapport an, indem du wieder bis zum 4. Faden der jeweils benachbarten Farbe webst, danach bis zum 3. Faden usw.
Denke auch bei diesem Design immer daran, die beiden Ebenen auseinander zu ziehen, nachdem du das neue Fache gebildet hast, um den vorherigen Webfaden dicht an das Gewebe zu drücken. Da du ja sozusagen abschnittsweise webst, musst du dementsprechend bei jeden Abschnitt die Ebenen auseinander ziehen.

Webe in dieser Art weiter bis zur gewünschten Länge des Bandes und flechte Zöpfe aus der restlichen Kettfadenlänge. Du kannst aber auch schmale Bänder im Diagonalstreifen-Design weben, wie ich es dir auf diesem Foto zeige. Somit webst du vier schmale Bänder, bestehend aus je 8 Fäden. Die letzten kurzen Fadenenden kannst du verzwirnen, da sich Knoten an den Enden nicht so gut eignen.

Weben der 2. Bandhälfte

Drehe das Band, wie in den ersten beiden Designs beschrieben, um 180° und befestige es wieder an deinem Hosenbein. Der dunkelbraune Farbstreifen ist jetzt rechts und der blaue links.
Suche den rechten äußersten Faden und wickele ihn einige Male um die Sicherheitsnadel herum. Ziehe nacheinander vorsichtig erst den Fachstab, dann den Trennstab heraus und streiche die Schlaufen, die durch das Umwickeln der Fäden um den Trennstab entstanden sind, etwas glatt.

Jetzt webst du, wie von der ersten Bandhälfte her gewohnt, Reihe für Reihe weiter, bis du die gewünschte Länge deines Bandes erreicht hast und du Zöpfe flechten, bzw. schmale Bänder weben kannst. Die Bilder zeigen dir nochmal die erste Reihe.

Da sich dieses Design in seiner Technik von denen der ersten beiden Kurse unterscheidet, empfehle ich ganz besonders, hiervon viele Bänder zu weben, damit sich deine Hände daran gewöhnen. Probiere auch hier verschiedene Farbvariationen aus. Für das Lightning kannst du beliebig viele Farben nebeneinander weben, mindestens aber zwei.

Literatur:
Alta R. Turner: "Finger Weaving - Indian Braiding", USA
Gerald L. Findley: "Fingerweaving Basics", USA
Robert J. Austin: "A Manual of Fingerweaving", USA
"Finger Weaving - Keeping with Tradition", eine DVD von Sharon Ensminger und Jorja Calico, USA

Fotos: Heiko Fritz, sowie eigene Aufnahmen

Der Kurs in Bildern.

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